Oleg Senzow war fünf Jahre in Haft

Oleg Senzow am 7. September 2019 im Rahmen eines Gefangenenaustausches zwischen Russland und der Ukraine freigelassen.

Oleg Senzow am 7.9.2019 auf dem Kiewer Flughafen Borispol. Foto REUTERS (Bildausschnitt)

Die seit fünf Jahren anhaltenden internationalen Proteste gegen die Verhaftung und gegen das Urteil zu 20 Jahren Lagerhaft haben erreicht, dass Oleg Senzow für die Weltöffentlichkeit nicht in Vergessenheit geriet. Die Akademie der Künste war unter den ersten, die im Jahre 2014 mit Briefen an den russischen Botschafter in Berlin und an den Sicherheitsdienst FSB in Moskau die Freilassung des von der Krim stammenden Filmregisseurs forderten. Senzows Widerstand gegen die völkerrechtswidrige Annexion der Krim wurde mit einer Anklage wegen Terrorismus geahndet. Er mußte mehrere Jahre in einer sibirischen Strafkolonie zubringen.

Aktion für mehr Demokratie hat sich vor fünf Jahren dem internationalen Protest gegen die Verhaftung und spätere Verurteilung Oleg Senzows angeschlossen. Klaus Staeck am 10. Mai 2019. Foto Bettina Huber

Seit fünf Jahren sitzt der ukrainische Filmemacher Oleg Senzow in russischer Haft. Vor einem halben Jahr brach er seinen Hungerstreik ab.

Seine Anwältin Olga Dinse konnte letztmalig Senzow im März 2019 im russischen Straflager in Labytnangi am Polarkreis besuchen.

Senzow wurde vor fünf Jahren, am 10. Mai 2014, auf der Krim vom Föderalen Sicherheitsdienst Russlands (FSB) zusammen mit drei weiteren Personen festgenommen. Der FSB behauptete, alle vier hätten in Simferopol, Sewastopol und Jalta Terroranschläge geplant. Senzow habe, so die russischen Ermittler, eine Gruppierung angeführt, die der nationalistischen ukrainischen Bewegung „Rechter Sektor“ nahe gestanden habe. Senzow wies alle Vorwürfe zurück. 2015 wurde er von einem Gericht im südrussischen Rostow am Don zu 20 Jahren Haft verurteilt. Amnesty International kritisierte das Verfahren als „unfair“. Anfang 2016 wurde Senzow nach Jakutien und von dort in die Strafkolonie in Labytnangi am Polarkreis geschickt.

Senzow war im Mai 2018 in einen Hungerstreik getreten. Damit wollte er die Freilassung von 64 ukrainischen Staatsbürgern erreichen, die in Russland aus politischen Gründen inhaftiert sind. Anfang Oktober beendete Senzow den Hungerstreik, angesichts einer drohenden Zwangsernährung.

Nach dem aktuellen Besuch seiner Anwälte, berichten diese, dass alle Gefangenen stets mindestens die Hälfte des Tages mit militärischem Drill befasst seien. Das sei Pflicht. „Oleg marschiert etwas weniger als die anderen. Er darf nach seinem Hungerstreik mehr Zeit für Spaziergänge und Sport in der Reha aufwenden“, sagte Olga Dinse und fügte hinzu: „Nach der Reha kehrte Oleg zur Kreativität zurück und arbeitet an Drehbüchern. Leider erlaubt ihm die Gefängnisverwaltung nicht, einen Mediaplayer zu nutzen, so dass er die Arbeiten nicht sehen kann, die ihm seine Kollegen schicken.“
(Quelle: DW)

Mehr Informationen zur weltweiten Protestbewegung #FreeOleg

Tu was für Europa!

Martin Schulz startet die Initiative #myeurope im Berliner Allianz-Forum.
Foto Manfred Mayer
 „Wir dürfen Europa nicht denen überlassen, die es zerstören wollen. … Unsere Botschaft ist: Wenn Du für Europa bist, dann tu was für Europa. Sonst werden wir zum stillen Zeugen des Untergangs einer großen Idee.“
Martin Schulz startete mit einer leidenschaftlichen Rede eine überparteiliche Initiative, die über die Europawahl am 26. Mai hinaus wirken soll.  Schulz ist Vorsitzender des neu gegründeten Vereins „Tu was für Europa“, Franziska Brantner, europapolitische Sprecherin der Grünen, die Stellvertreterin. FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff leitet den Beirat. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ist die Schirmherrin.
Unterstützt wird die Initiative u.a. durch die Deutsche Bahn, die Allianz-Kulturstiftung, die Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa, die European Cultural Foundation, Scholz & Friends, die Deutsche Bank.

JA zur EU-Urheberrechtsrichtlinie

Foto Manfred Mayer

Die Initiative Urheberrecht und die Akademie der Künste luden am 23. März 2019, wenige Tage vor der entscheidenden Abstimmung im Europäischen Parlament, zu einem Treffen mit Medienvertretern ein. Es ging darum, die Sicht der Kreativschaffenden zum Reformpaket zu vermitteln.

Nach vier Jahren intensiver Diskussion im Rahmen eines transparenten und demokratischen Entscheidungsprozesses konnte nun ein finaler Entwurf für ein neues europäisches Urheberrecht ausgehandelt werden. Dies ist ein erster wichtiger Schritt, um den Bedürfnissen der digitalen Informationsgesellschaft gerecht zu werden. Die Richtlinie verbessert die Bedingungen für Kreativ- und Medienschaffende und die Kulturwirtschaft in ganz Europa erheblich, indem sie endlich große kommerzielle Plattformen, die ihre Werke nutzen, stärker in die Verantwortung für eine faire Vergütung nimmt. Dabei setzt sie auf die vertragliche Zusammenarbeit zwischen Plattformen und Rechtsinhabern.

Wir appellieren an alle Mitglieder des Europäischen Parlaments: Stimmen Sie der Richtlinie zu und machen Sie den Weg frei für einen fairen Umgang zwischen Plattformen, Kreativen, Rechtsinhabern und Nutzern.

(Aus dem Aufruf, den mehr als 50 Verbände unterzeichnet haben)

Bilder der Veranstaltung

Link zur Website der Akademie der Künste

Nach kontroverser Debatte stimmte eine Mehrheit im Europäischen Parlament am 26. März 2019 für ein neues EU-Gesetz zum Urheberrecht.  Nach dem am 15. April erfolgten Mehrheitsbeschluss im EU-Ministerrat ist der Weg für die Reform frei. Die EU-Länder haben zwei Jahre Zeit, die neuen Regeln in nationales Recht umzusetzen.

„Gegen die Monopole“
Kolumne zur notwendigen Regulierung des Internets vom 18.4.2019

Zuckerberg will Inhalte von Facebook entfernen
Beitrag von Gerhard Pfennig vom 4.4.2019

Aufruf zur Europawahl vom 7. Februar 2019

Zukunft Europa

Der globale Wettbewerb, die Digitalisierung, der Klimawandel, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und die Migrationsbewegungen sind die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Sie lassen sich nicht im nationalen Rahmen lösen! Die Welt braucht ein stabiles und handlungsfähiges Europa dringender denn je: Als Mittler zwischen Ost und West, als Friedensstifter im Nahen Osten und auf der Arabischen Halbinsel, als fairer Partner Afrikas und nicht zuletzt als Beweis dafür, dass die Menschheit aus ihren Irrtümern und Verbrechen lernen kann.
Die Idee eines vereinten Europa ist auf den Trümmern des in zwei Weltkriegen zerstörten Kontinents entstanden. Das europäische Projekt war und ist visionär. Die Europäische Union ist jedoch in ihrer Existenz bedroht. Nationalisten geben zunehmend den Ton an, predigen Abschottung und errichten Feindbilder. Kurzsichtiges und egoistisches Verhalten europäischer Nationalregierungen verhindert notwendige Reformen in der EU und in der Eurozone, sowie eine internationale Ächtung von Steueroasen und eine gerechte Besteuerung der global agierenden Internetriesen. Es fehlt die Entschlossenheit, von einem lockeren Staatenbund zu einer handlungsfähigen europäischen Demokratie fortzuschreiten.

Die Europawahl im Mai 2019 darf nicht dazu führen, dass die Europagegner im Europäischen Parlament noch stärker werden. Die SPD ist die Europapartei. Ihre Kandidaten, an ihrer Spitze Katarina Barley und Udo Bullmann, setzen sich ein

  • für eine Stärkung der Kompetenzen des Europaparlaments
  • für mehr Solidarität und für die Schaffung möglichst gleichwertiger Lebensverhältnisse in der gesamten EU
  • für eine Harmonisierung der Steuer- und Sozialpolitik der Mitgliedsländer
  • für eine effektive demokratische Kontrolle der Geld- und Finanzpolitik in der Eurozone

Wählt am 26. Mai 2019 Katarina Barley, Udo Bullmann und die SPD!

Hermann Adam∙Deniz Alt∙Claudia Amm∙Ingeborg Arnold∙Klaus Barthel∙Patrick Bauer∙Brigitte Bauhoff∙Ulrich Becker∙Manfred Beisel∙Alexander von Berswordt∙Erik Bettermann∙Friedhelm Julius Beucher∙Klaus von Beyme∙Ursula Bieler∙Wolfgang Bielmeier∙Yannik Bill∙Sascha Binder∙Angelika Binding∙Lothar Binding∙Manfred Bissinger∙Hans-Jürgen Blinn∙Bernhard Boll∙Karl-Heinz Bomberg∙Ulrich Bormuth∙Karen Bracht∙Peter Brandt∙Leni Breymaier∙Bazon Brock∙Wibke Bruhns∙Anke Brunn∙Feliks Büttner∙Konrad Buschbeck∙Mike Busse∙Manfred Butzmann∙Constanze Curtius∙Klaus-Heinrich Dedring∙Renan Demirkan∙Bärbel Dieckmann∙Farhad Dhilmaghani∙Yakup Divrak∙Judith Döker∙Martin Dörmann∙Susanne Dohrn∙Friedel Drautzburg∙Benedikt Dyrlich∙Katja Ebstein∙Willi Edelhoff∙Steffen Egle∙Vito von Eichborn∙Vivi Eickelberg∙Gernot Erler∙Klaus Faber∙Norbert Fabian∙Klaus Fabricius∙Ulrike Fabricius∙Knut Fleckenstein∙Niklas Frank∙Thomas Friebe∙Anton Friedrich∙Uwe Friesel∙Nils Frohloff∙Evelyn Gebhardt∙Hans W. Geissendörfer∙Günter Gentsch∙Jochen Gern∙Kerstin Gnielka∙Eberhard Görner∙Reinhold Götz∙Lutz Götze∙Rolf Grabbert∙Dietlind Grabe-Bolz∙Ulrich Graf∙Ute Grass∙Kerstin Griese∙Alexandra Gruber∙Gernot Grumbach∙Bernhard Felix von Grünberg∙Joachim Günther∙Michael Haeerdter∙Jörg Hafkemeyer∙Rainer Hahn∙Myriam Hartmann∙Karin Hartmann∙Ina Hartwig∙Rudolf Hauber∙Gert Heidenreich∙Franziska Heinisch∙Wolfgang Heinz∙Nele Hertling∙Ingo Hettle∙Uwe-Karsten Heye∙Norbert Hilbig∙Jonas Hirschnitz∙Klaus Hohlfeld∙Michael Hohmann∙Bernhard Höllriegel∙Jochen Hörisch∙Christian Hoffmann∙Christine Hohmann-Dennhardt∙Horst P. Holst∙Rainer Holtschneider∙Dieter Horky∙Joachim Horner∙Bettina C. Huber∙Elfriede Huber-Söllner∙Jörg-Adrian Huber∙Felix Huby∙Rebecca Hummel∙Olaf Ihlau∙Mike Inselmann∙Burkhard Jellonnek∙Inge Jens∙Bernhard Jenschke∙Till-Matthias Jürgens∙Friedrich-Wilhelm Junge∙Bijan Kaffenberger∙Ulrike Kahlert∙Till Kaposty-Bliss∙Inge Karst-Staeck∙Gabriele Katzmarek∙Wolfgang Katzmarek∙Aykut Kayacik∙Gisela Kayser∙Inge Kerschbach∙Timur Kiselev∙Michael Klein∙Reinhard Klimmt∙Pat Klinis∙Silke Klix∙Kirsten Klöckner∙Andreas Köhler∙Walter Kolbow∙Matthias Kollatz∙Christopher Kopper∙Bruno Krüger∙Sebastian Krumbiegel∙Mischa Kuball∙Hendrik Küpper∙Michael Kumpfmüller∙Fitzgerald Kusz∙Helmut Lachenmann∙Knut Lambertin∙Günter Lamprecht∙Bernd Lange∙Wibke Lehmann∙Jo Leinen∙Stefanie Lemke∙Anne Linsel∙Steffen Lueckehe∙Jürgen Madry∙Volkwin Marg∙Steffen Martin∙Manfred Maurenbrecher∙Thomas Meier∙Petra Merkel∙Hans-Werner Meyer∙Kristin Meyer∙Rune Mields∙Hans Misselwitz∙Regine Möbius∙Claudia Möller∙Ursela Monn∙Walter Mühlhausen∙Thomas Mühlnickel∙Michelle Müntefering∙Marlies Nagel∙Michael Naumann∙Oskar Negt∙Siegfried Neuenhausen∙Reiner Nimis∙Karin Nink∙Jörg-Wilhelm Oestmann∙Robert von Olberg∙Adi Ostertag∙Marlen Pankonin∙Axel Pape∙Roswitha Josefina Pape∙Walter Pehle∙Herold Pfeiffer∙Gabriele Pommerin-Götze∙Sabine Poschmann∙Monica Ch. Puginier∙Martin Rabanus∙Karl-Klaus Rabe∙Ulku Radziwill∙Christa Randzio-Plath∙Thomas Ranft∙Volker Rattemeyer∙Erich Rauschenbach∙Sabine Reif∙Sibylle Reinhardt∙Timm Renner∙Frank Richter∙Hans-Joachim Rickel∙Volker Riegger∙Ingeborg Riegl∙Christian Robbe∙René Röspel∙Friedrich O.J. Roll∙Thomas Rosenlöcher∙Lea Rosh∙Karin Roth∙Peter Ruhenstroth-Bauer∙Richard Saage∙Karolin Salmen∙Hella De Santarossa∙Hans-Joachim Schabedoth∙Axel Schäfer∙Roland Schäfer∙Klaus Schaller∙Werner Schaub∙Klaus-Jürgen Scherer∙Oliver Scheytt∙Eberhard Schick∙Herbert Schmalstieg∙Barbara Schmid∙Peter Schmid∙Tobias Schmid∙Wolfgang Schmid∙Doris Schmidt∙André Schmitz∙Wolfgang Schneider∙Ursula Schönfelder∙Claudia Schöning-Kalender∙Gotthard Scholz-Curtius∙Friedrich Schorlemmer∙Armin Schubert∙Hjalmar Schuck∙Gesine Schwan∙Willi Schwarz∙Olaf Schwencke∙Simon Schwerdtfeger∙Bernhard Schwichtenberg∙Karin Seidel∙Peter Seidel∙Ruth Seidel∙Tobias Sicks∙Udo E. Simonis∙Walter Sittler∙Ingo Skoneczny∙Michael Sommer∙Dieter Sonnenstuhl∙Cornelie Sonntag-Wolgast∙Lara Sosa-Popovic∙Matthias Speidel∙Tilman Spengler∙Klaus Staeck∙Rolf Staeck∙Gerhard Steidl∙Ingrid Stermula∙Jan Stöß∙Johano Strasser∙Winfried Sühlo∙Werner Tammen∙Sven Teuber∙Maurice Thaidissmann∙Horst Tischer∙Zarife Türk∙Donata Valentien∙Christoph Valentien∙Karsten D. und Brigitta Voigt∙Jutta Wachowiak∙Ralph Waibel∙Andrew Walde∙Norbert Walter-Borjans∙Eleonore Weisgerber∙Gert Weisskirchen∙Alexander Wenske∙Inge Wettig-Danielmeier∙Klaus Wettig∙Ulrich Wickert∙Heidemarie Wieczorek-Zeul∙Stephan v. Wiese∙Patrick Winczewski∙Dorothee von Windheim∙Andreas Woerlein∙Meike Wolff-Jürgens∙Sabine Wölfle∙Wolf-Eckhard Wormser∙Monika Wulf-Mathies∙Gert Wunderlich∙Cora Yakpo-Wetzel∙Turgut Yüksel∙Georg Zacharias∙Hermann Zimmermann∙Olaf Zimmermann∙Peter Zlonicky∙Christoph Zöpel
(Stand 25.5.2019)

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Aufruf zur Europawahl – 2019 Aktion für mehr Demokratie
c/o Klaus Staeck, Postfach 102063, 69010 Heidelberg, Fax 06221-600230.
Email: info@aktion-fuer-mehr-demokratie.de
Website: www.aktion-fuer-mehr-demokratie.de

Kein neues atomares Wettrüsten in Europa!

Für einen neuen Anlauf zur Rüstungskontrolle und Abrüstung

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, den Vertrag über das Verbot landgestützter atomarer Mittelstreckenraketen in Europa (INF-Vertrag) mit Russland zu kündigen. Es ist gut, dass beide Länder jetzt angekündigt haben, erst einmal miteinander zu verhandeln. Ziel der Verhandlungen muss sein, die „Null-Lösung“ zu erhalten und auch in Zukunft landgestützte atomare Mittelstreckenraketen in Europa zu verbieten. Denn dieser Vertrag schützt uns Europäer und vor allem uns Deutsche seit mehr als 30 Jahren davor, Austragungsort eines bedrohlichen atomaren Wettrüstens zu werden. Ronald Reagan und Michail Gorbatschow haben ihn Ende der 80er Jahre ausgehandelt.

Es ist unübersehbar: Das tiefe Misstrauen des Kalten Krieges ist zurück. Russland und die USA werfen sich gegenseitig vor, bereits heute den INF-Vertrag zu verletzen und neue landgestützte atomare Waffensysteme zu entwickeln und einsatzfähig zu machen. Neue Mittelstreckenraketen werden eine noch kürzere Vorwarnzeit haben als die Waffensysteme der 80er Jahre, gegen die Millionen Menschen in aller Welt demonstriert haben. Die Gefahr von unbeabsichtigten nuklearen Konfrontationen und Vernichtungskriegen aufgrund von Fehlern und Missverständnissen wird dabei größer.

Auch alle anderen atomaren Abrüstungsverträge zwischen Russland und den USA wie der START-Vertrag über interkontinentale Atomraketen stehen auf dem Spiel. China rüstet ebenso atomar auf, andere denken darüber nach, sich in den Besitz atomarer Waffen zu bringen. Die Welt nähert sich erneut mit großer Geschwindigkeit einem neuen atomaren Wettrüsten.

Wenn es nicht gelingt, diese atomare Spirale erneut zu stoppen, sind gerade wir in Zentraleuropa und hier in Deutschland wieder Schauplatz dieses Konflikts. Kaum ein anderes Thema wird für uns so wichtig werden wie die Frage, ob wir ein erneutes atomares Wettrüsten auf unserem Kontinent verhindern können.

Was jetzt gebraucht wird, sind europäische Initiativen zum Wiedereinstieg in die verstärkte Rüstungskontrolle als einen ersten wichtigen Schritt. Gegenseitige Rüstungskontrolle – also die Einsicht in die strategischen und tatsächlichen Arsenale militärischer Fähigkeiten – ist ein Instrument für schlechte Zeiten, in denen man einander nicht vertraut. Der Wiedereinstieg in eine funktionierende Rüstungskontrolle ist von großer Bedeutung, um neues Vertrauen zu ermöglichen.

Und wir brauchen neue Initiativen zur atomaren – und konventionellen – Abrüstung. Stattdessen dominieren öffentlich in Europa und international die Forderungen nach immer größeren Militärausgaben. Die Haltung der Bundesrepublik Deutschland war immer geprägt von der Sicherung der eigenen Verteidigungsfähigkeit und Abschreckung im Bündnis der NATO, aber ebenso von Angeboten zum Dialog und dem Willen zur Entspannung, Rüstungskontrolle und Abrüstung.

Heute fehlt eine kräftige Stimme, die das scheinbar Utopische – Abrüstung und gemeinsame Sicherheit statt Aufrüstung, Abgrenzung und Feindschaft –  wieder ins Reale zurückholen will. Deutschland und Europa müssen jetzt eine solche Stimme werden. Die Stimme für Abrüstung und gemeinsame Sicherheit.

Die Erstunterzeichner dieses Aufrufs sind als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gemeinsam mit vielen anderen und über Parteigrenzen hinweg in der Vergangenheit erfolgreich für Rüstungskontrolle, Entspannung und Abrüstung eingetreten. Heute wollen wir, dass der Erfolg dieser Politik nicht aufs Spiel gesetzt wird. Erneut werben wir für die Unterstützung dieses Anliegens.

Erstunterzeichnerinnen und Erstunterzeichner:

Kurt Beck
Björn Engholm
Erhard Eppler
Herta Däubler-Gmelin
Sigmar Gabriel
Franz Müntefering
Matthias Platzeck
Rudolf Scharping
Renate Schmidt
Gerhard Schröder
Martin Schulz
Hans-Jochen Vogel
Heidemarie Wieczorek-Zeul

Organisiert und unterstützt durch Klaus Staeck

Hier finden Sie die komplette Unterschriftenliste und können auch Sie den Aufruf unterzeichnen.

Angaben gemäß § 5 TMG:
Klaus Staeck
Postfach 102063, 69010 Heidelberg

Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:
Sigmar Gabriel
Abgeordnetenbüro, Platz der Republik 1, 11011 Berlin, sigmar.gabriel(at)bundestag.de

Zukunft solidarisch gestalten

Wahlaufruf vom 18. Oktober 2018

Thorsten Schäfer-Gümbel stellt sich den Herausforderungen der Zeit: Die Arbeitswelt wird digital. Die Freiheit von Kunst und Journalismus wird in vielen Ländern bedroht. Menschenrechte werden missachtet oder lächerlich gemacht, Sexismus und Rassismus greifen um sich. Der Klimawandel schreitet voran.

Thorsten Schäfer-Gümbel gestaltet Gesellschaft: Er begreift Digitalisierung als Chance, kämpft als überzeugter Sozialdemokrat für Freiheit und Menschlichkeit und ist sich unserer Verantwortung für die Bewahrung unserer natürlichen Umwelt bewusst. Wir sind überzeugt, dass sein zukunftsgewandter Optimismus mit Mut und konkreten, durchdachten Plänen der richtige Weg in eine gute Zukunft für alle ist.

Thorsten Schäfer-Gümbel sieht die Kraft der Kunst: Sie ist seit jeher ein Weg, um uns das vermeintliche Fremde nah zu bringen, um unsere Empathie zu wecken, unangenehme Fragen zu stellen und neue Möglichkeitsräume zu öffnen. Deshalb setzt er sich seit vielen Jahren dafür ein, dass möglichst viele Menschen diese Erfahrungen mit und durch Kunst machen dürfen.

Wir unterstützen Thorsten Schäfer-Gümbel, weil sein Engagement für Kunst und Kultur über rote Teppiche und feierliche Reden hinausreicht. Er steht unverbrüchlich an der Seite von Kunst- und Kulturschaffenden. Das haben wir immer wieder erlebt, etwa in der Debatte um das Urheberrecht.

Wir unterstützen Thorsten Schäfer-Gümbel, weil er Augen und Ohren hat für die Kraft der Kultur. Die braucht es gerade jetzt in einer Zeit, in der sogar faschistische Parolen wieder offen auf den Straßen zu hören sind. Faschistisches Denken ist menschenverachtend und widerspricht den Grundwerten unserer demokratischen Gesellschaft.

Wir unterstützen Thorsten Schäfer-Gümbel, weil wir seine sozialdemokratischen Prinzipien, sein Auge auf das, was in der Zukunft wichtig sein wird und seine besonnene Vernunft schätzen. Mit ihm wird die Zukunft gerechter, verantwortungsvoll und solidarisch gestaltet.

Unterzeichnerinnen und Unterzeichner

Hatice Akyün, Schriftstellerin
Deniz Alt, Künstler
Adriana Altaras, Schriftstellerin
Ingeborg Arnold, Kulturforum Sachsen Anhalt
Adelheid Bahr, Germanistin
Alexander von Berswordt, Kunstvermittler
Yannic Bill, Kulturfabrik eigenArt e.V.
Manfred Bissinger, Publizist
Klaus Bochmann, Romanist
Renate Bochmann, Hochschullehrerin
Thomas Bockelmann, Theaterintendant
Peter Brandt, Historiker und Publizist
Fred Breinersdorfer, Drehbuchautor
Manfred Butzmann, Künstler
Pepe Danquart, Filmemacher
Renan Demirkan, Schauspielerin/Schriftstellerin
Judith Döker, Schauspielerin
Friedel Drautzburg, Gastrosoph
Hannah Dübgen, Schriftstellerin
Benedikt Dyrlich, Schriftsteller
Siegmund Ehrmann, ehem. MdB
Vito von Eichborn, Verleger
JOANA Emetz, Liedermacherin
Uwe Fahrenkrog-Petersen, Musikproduzent
Niklas Frank, Autor
Uwe Friesel, Schriftsteller
Udo Geiseler, Kulturpolitiker
Hans W. Geissendörfer, Filmregisseur
Günter Gentsch, Schriftsteller
Eberhard Görner, Filmemacher
Heide Görner, Fachärztin
Dietlind Grabe-Bolz, Musikerin
Bernhard von Grünberg, Geschäftsführer
Annette Gümbel, Historikerin
Jörg Hafkemeyer, Publizist
Michael Haerdter, Publizist
Karin Hartmann, MdL Hessen
Ina Hartwig, Autorin
Volker Hauff, Publizist
Gert Heidenreich, Schriftsteller
Frank Henschke, Produzent
Nele Hertling, Dramaturgin
Uwe Karsten Heye, Publizist
Jochen Hörisch, Germanist
Michael Hohmann, GF Romanfabrik F
Bettina Huber, Kommunikationswissenschaftlerin
Verena Hubertz, Gründerin/Geschäftsführerin
Felix Huby, Schriftsteller
Rolf Johanning, Kulturdezernent a.D.
Christopher Kopper, Historiker
Olaf Ihlau, Publizist
Siegfried Kaden, Künstler
Till Kaposty-Bliss, Verleger
Inge Karst-Staeck, Soziologin
Aykut Kayacik, Schauspieler
Gisela Kayser, Freundeskreis Willy-Brandt-Haus
Reinhard Klimmt, Publizist
Ina Paule Klink, Schauspielerin
Kirsten Klöckner, Künstlerin
Sebastian Krumbiegel, Musiker
Miriam Küllmer-Vogt, Künstlerin
Michael Kumpfmüller, Schriftsteller
Helmut Lachenmann, Komponist
Stefanie Lemke, Kommunikationswissenschaftlerin
Anne Linsel, Kulturjournalistin
Hans-Werner Meyer, Schauspieler
Kristin Meyer, Schauspielerin
Rune Mields, Malerin
Regine Möbius, Schriftstellerin
Ursela Monn, Schauspielerin
Oskar Negt, Soziologe
Hans-Bernhard Nordhoff, Kulturdezernent a.D.
Christian Nürnberger, Publizist
Axel Pape, Schauspieler
Roswitha Josefine Pape, Künstlerin
Carla L. Pehle, Gruppenanalytikerin
Walter H. Pehle, Historiker
Wolfgang Petrovsky, Künstler
Gerhard Pfennig, Rechtsanwalt
Lothar C. Poll, Rechtsanwalt
Willy Praml, Regisseur
Karl-Klaus Rabe, Verleger
Volker Rattemeyer, Kunsthistoriker
Hilde Rektorschek, Bundesverband Kulturlogen
Tim Renner, Musikproduzent
Christian Robbe, Journalist
Lea Rosh, Vors. Förderkreis „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“
Heinrich Schafmeister, Schauspieler
Werner Schaub, Künstler
Klaus-Jürgen Scherer, Politologe
Oliver Scheytt, Kulturmanager
Clemens Schick, Schauspieler
André Schmitz, Staatssekretär a.D.
Friedrich Schorlemmer, Theologe
Armin Schubert, Bücherkinder Brandenburg
Hjalmar Schuck
Jürgen Schweinebraden, Verleger
Olaf Schwencke, Publizist
Bernhard Schwichtenberg, Künstler
Tina Schwichtenberg, Künstlerin
Walter Sittler, Schauspieler
Maria Sommer, Bühnenverlegerin
Tilman Spengler, Schriftsteller
Franziska Sperr, Autorin
Klaus Staeck, Grafiker
Gerhard Steidl, Verleger
Johano Strasser, Schriftsteller
Jan Strecker, Berater
Winfried Sühlo, Historiker
Stefan Thome, Schriftsteller
Jörg-Philipp Thomsa, Günter-Grass-Haus
Heidemarie Vahl, Museumsleiterin a.D.
Christina Weiss, Journalistin
Ernst Ulrich von Weizsäcker, Naturwissenschaftler
Patrick Winczewski, Filmregisseur
Jörg W. Ziegenspeck, Schriftsteller
Olaf Zimmermann, Publizist
(Stand 23.10.2018)

Zukunft solidarisch gestalten (pdf-Dokument zum Download)

Deutschlands Verantwortung für Europa:

Soziale Spaltungen überwinden, eine Antwort auf die Flüchtlingsfrage finden und in die Zukunft investieren.

Deutschland droht seine historische Verantwortung für Europa zu verfehlen: durch Blindheit gegenüber den zunehmenden Gefahren für Europa und durch Mutlosigkeit, ihnen entschieden und fantasievoll zu begegnen. Die Zukunft Europas darf sich nicht auf wirtschaftliche und finanzielle Überlegungen beschränken.
Schon 2012 hat der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski uns Deutschen den prägnanten Satz entgegengehalten: „Ich fürchte die deutsche Macht weniger als die deutsche Untätigkeit.“ Dabei unterstrich er den Unterschied zwischen „Dominanz“ und Machtausübung als verantwortliche Führung. Sie hat nicht nur die eigenen Interessen im Blick, sondern das europäische Ganze.
Wir müssen jetzt endlich die „deutsche Untätigkeit“ überwinden und verantwortlich handeln, denn wir stehen vor einer dramatischen Entwicklung: Großbritannien verlässt die EU. In Italien hat eine Regierung die Macht übernommen, die der EU und der gemeinsamen Währung höchst skeptisch gegenübersteht. Die Spaltungen zwischen Ost- und Westeuropa ebenso wie zwischen Süd- und Nordeuropa vertiefen sich. Bei vielen Nachbarn ist ein Widerwille gegen die schon von Sikorski kritisierte deutsche Dominanz entstanden, sei es in der Wirtschaftspolitik, sei es in der Flüchtlingsfrage.
Auf diese bedrohlichen Entwicklungen ist Deutschland bisher eine Antwort schuldig geblieben. Die deutsche Politik sollte eine Vision für ein Europa mitentwickeln, das seine Bürger schützt.
Endlich die Sorgen unserer europäischen Nachbarn ernst nehmen, sich an ihre Stelle setzen und mit ihnen zusammenstehen: das ist jetzt das Gebot der Stunde. Die vernebelnde Warnung vor einer Transferunion muss aufhören. Sie steht im krassen Gegensatz zu Deutschlands wohlverstandenem langfristigem Interesse. Das liegt in einer solidarischen und verlässlichen europäischen Zusammenarbeit. Ohne sie können wir in einer Globalisierung, die unsere Werte zunehmend missachtet, unsere Lebensweise in demokratischer und sozialer Verantwortung, unsere wirtschaftliche Stärke und unsere Kultur nicht verteidigen.
Unsere Regierung muss jetzt endlich den Mut aufbringen, zusammen mit den europäischen Nachbarn auch mit solidarischer Haftung die notwendigen europäischen Zukunftsinvestitionen auf den Weg zu bringen. Sie muss helfen die sozialen Spaltungen innerhalb Europas, die verheerende Arbeitslosigkeit und die Jahre lange Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher in Südeuropa zu überwinden. Sonst wenden sich immer mehr Menschen von Europa ab. Und sie muss schnell eine kreative europäische Antwort auf die Flüchtlings- und Migrationsfrage geben, die zum entscheidenden Nährboden für die wachsenden rechtsextremen Kräfte in Europa geworden ist. Es ist möglich, dafür humane und gerechte Regelungen zu finden.
Geben wir uns einen Ruck! Setzen wir uns ein für ein Europa der Solidarität!

2. Juni 2018

Gesine Schwan
Ulrich Wickert

Unterzeichner bis 21. Juni 2018:
Mazda Adli
Jutta Allmendinger
Dietmar Bartsch
Hadmut Bittiger
Helmut Bittiger
Tim Bittiger
Thomas Bock
Tom Bohn
Norbert Walter Borjans
Andreas Botsch
Franziska Brantner
Joana Breidenbach
Tatjana Brode
Jermyn Brooks
Lisette Buchholz
Thymian Bussemer
Catherine Colliot-Thélène
Daniela Danz
Cornelia Dümcke
Detlef Dzembritzki
Peter Eigen
Fahimeh Farsaie
Karl-Hermann Fink
Susanne Flimm
Dieter Forte
Ute Frevert
Detlev Ganten
Nana Garrett-Bleek
Susanne Goga
Armtraud Hartmann
Wolfgang Hartmann-Besche
Tina Hassel
Sylvia Hauer
Barbara Hendricks
Thomas Hengelbrock
Ulrich Herrmann
Uwe-Karsten Heye
Rainer Hoffmann
Gustav Horn
Willi Jasper
Joachim Kalka
Sabine Kebir
Jochen Kelter
Dominik Kirchdorfer
Klaus Kirschner
Harald Kischlat
Hubert Klöpfer
Jürgen Kocka
Ute Koczy
Charlotte Köttgen
Jan Koneffke
Ursula Krechel
Lukas Krüdener
Kathrin Lange
Christine Lehnen
Wolf Lepenies
Jonas Lüscher
Paul Michael Lutzeler
Beate Maes
Alfredo Märker
Kristof Magnusson
Birgit Mahnkopf
Evelies Mayer
Anja Mihr
Nils Minkmar
Andreas Montag
Edda Müller
Susan Neiman
Ralf Nestmeyer
Wolfgang Niess
Hellmuth Opitz
Patricia Oster-Stierle
Jochen Partsch
Martin Patzelt
Lore-Maria Peschel-Gutzeit
Heinrich Peuckmann
Dietger Pforte
Thomas Podhostnik
Ursula Raue
Nikola Richter
Dominik Riedo
Mark Sasserath
Gerhard Schick
Jens Schneider
Ilka Schönhöfer
Peter Schönhöfer
Friedrich Schorlemmer
Christa Schuenke
Torsten Schulz
Sascha Spoun
Klaus Staeck
Peter Steinbach
Rupert Graf Strachwitz
Johano Strasser
Michi Strausfeld
Jürgen Streich
Leander Sukov
Klaus Theweleit
Wolfgang Thierse
Max Tidof
Axel Troost
Astrid Vehstedt
Regula Venske
Martin A. Völker
Klaus Vogel
Keto von Waberer
Angela Wagner-Bona
Peter Waller
Rainer Wedler
Stefan Weidner
Christina Weiss
Herbert Wiesner
Wolfsmehl
Christian Zacker
Harro Zimmermann

Wenn auch Sie diesen Appell mit Ihrer Unterschrift unterstützen wollen, senden Sie eine Mail an:

Academie-de-berlin@gmx.de

US-Botschafter Grenell überschreitet sein Amt

Erklärung der Aktion für mehr Demokratie vom 4. Juni 2018

Mit einem Exclusiv-Interview für das rechtsradikale und rassistische Internetportal Breitbart (veröffentlicht am 3. Juni 2018) hat der US-Botschafter in Deutschland keinen Zweifel daran gelassen, dass er nicht als Diplomat sondern als Gouverneur Trumps nach Berlin entsandt werden sollte. Grenells Ankündigung gegenüber Breitbart, er werde die Führer der rechtskonservativen Bewegungen in Europa „ermächtigen“, stellt einen beispiellosen Akt der politischen Einmischung dar.

Grenell habe keinen Zweifel, dass die Konservativen in Europa auf dem Vormarsch sind. Dies sei für ihn „eine spannende Zeit“, in der es „viel zu tun“ gebe.
Mit der Behauptung, die Wahl Trumps zum Präsidenten habe auch in Europa Menschen und politische Bewegungen darin bestärkt, nicht mehr zu akzeptieren das eine „politische Elite“ schon vor den Wahlen festlege, „wer antrete und gewinne“, hat der US-Botschafter in unzumutbarer Weise eine Grenze überschritten. Die Unterstellung, dass in der Bundesrepublik und anderen EU-Staaten Wahlmanipulationen üblich seien, ist ein Angriff auf die demokratische Willensbildung.

Grenell übernimmt damit die Position rechtspopulistischer Parteien und rechtsradikaler Bewegungen in Europa. Die Bundesregierung und das Auswärtige Amt sollten Grenell nachdrücklich an seine Mission als Botschafter erinnern oder ihm die Möglichkeit eröffnen, in das Hoheitsgebiet des US-Präsidenten zurückzukehren.

Oleg Senzow hat Hungerstreik nach 145 Tagen beendet

Foto von Oleg Senzow im Straflager, veröffentlicht von Human Rights Watch am 9.8.2018. FOTO: AFP/HUMAN RIGHTS WATCH

Nach eigenen Angaben hat Oleg Senzow seinen 145 Tage dauernden Hungerstreik weitgehend unbeschadet überstanden. „Mach Dir nicht zu viele Sorgen – ich habe überlebt“, schrieb Senzow in einem Brief an seinen Freund Nikolai Schtschur, den dieser laut AFP in Auszügen veröffentlichte.

Senzow war im Mai 2014 festgenommen worden, nachdem er öffentlich gegen die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland protestiert hatte. Anschließend wurde er in einem international kritisierten Prozess wegen Zugehörigkeit zu einer terroristischen Organisation zu 20 Jahren Haft verurteilt. Anfang Oktober 2018 stellte er nach 145 Tagen seinen Hungerstreik ein, um nicht zwangsernährt zu werden. Seinen Angehörigen zufolge schwebte er zwischenzeitlich in Lebensgefahr.

Aktuell vom 25.10.2018:
Oleg Senzow wird am 12. Dezember mit dem Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments geehrt.

3-Sat Kulturzeit, 20.08.2018: Gespräch mit der Schriftstellerin Katja Petrowskaja über Oleg Senzow
Oleg Senzow hat Hungerstreik nach 145 Tagen beendet weiterlesen

SPD-Mitgliederentscheid: Ja zu einer Großen Koalition

4.3.2018
Die Mitglieder SPD haben mit einer Mehrheit von 66 Prozent für den Eintritt in eine neue Große Koalition gestimmt.
„Wir haben jetzt Klarheit: Die SPD wird in die nächste Bundesregierung eintreten“, sagte der kommissarische Parteichef Olaf Scholz nach Bekanntgabe des Ergebnisses.
Insgesamt wurden 378.437 Stimmen abgegeben. Stimmberechtigt waren 463.722 Mitglieder. Die Beteiligung lag damit bei 78,39 Prozent. 239.604 Mitglieder stimmten mit Ja, 123.329 mit Nein. Nach 161 Tage seit der Bundestagswahl geht damit die bislang längste Regierungsbildung in die Endphase.
Die Wahl der Kanzlerin ist für den 14. März im Bundestag geplant.

Entwurf des Koalitionsvertrages vom 7.2.2018 (pdf-Dokument, 2,3 MB)

Aufruf zur Geschlossenheit in der SPD

vom 13.2.2018

Wir haben uns im Bundestagswahlkampf für die SPD engagiert.
Wir haben das aus Überzeugung und unter Einsatz unserer persönlichen Glaubwürdigkeit getan. Wir unterstützen die SPD, weil sie für eine bessere, solidarischere Gesellschaft eintritt.
Das setzt voraus, dass auch innerhalb der SPD solidarisch und fair miteinander umgegangen wird. Davon ist in den letzten Tagen aber kaum mehr etwas zu spüren. Einzelne stellen ihre persönlichen Ambitionen und ihr Ego über die Interessen der Partei.
Wir appellieren an alle Beteiligten, vom Bundesaußenminister bis zum einfachen Mitglied, diese internen Kämpfe zu beenden und keine weiteren Personaldebatten zu betreiben.
Es geht jetzt darum, die Sozialdemokratie nicht weiter zu spalten, sondern darum gemeinsam zu Handeln. Der Blick muss auf die Inhalte und die Bewertung des Koalitionsvertrages gerichtet werden. Alles andere schadet der Partei, der Glaubwürdigkeit der Politik und der demokratischen Kultur in unserem Land.
Wir fordern daher alle auf, ihre persönlichen Interessen zurückzustellen und eine offene, inhaltliche Debatte zu ermöglichen. Die SPD-Spitze muss schnellstmöglich klare Verhältnisse schaffen und wieder geschlossen auftreten. Nur so kann der bevorstehende Mitgliederentscheid konstruktiv stattfinden. Und nur so wird die SPD wieder zu dem, was wir den Menschen im Wahlkampf versprochen haben:
Eine intakte, starke Wertegemeinschaft für eine bessere, solidarischere Gesellschaft. Eine Wertegemeinschaft, die auch nach innen lebt, was sie nach außen fordert.

Iris Berben • Peter Brandt • Fred Breinersdorfer • Christian Dechant • Judit Döker • Vivi Eichelberg • Uwe Fahrenberg-Petersen • Verena Hubertz • Kirsten Klöckner • Marco Kreuzpaintner • Sebastian Krumbiegel • Eva Menasse • Hans-Werner Meyer • Christin Meyer • Alfonso Pantisano • Ina Paule Klink • Anton Rahlwes • Clemens Schick • Antje Schlag • Klaus Staeck • Eleonore Weißgerber • Patrick Winczewski

Johano Strasser
Von Mitteln und von Zwecken. Wohin geht der Weg der Sozialdemokratie?
(am 7. Februar 2018 in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht)

Heute ist überall in der SPD von Erneuerung die Rede. Die einen meinen, dass sie nur in der Opposition erfolgen könne, die anderen halten sie auch dann für notwendig und möglich, wenn die SPD weitere vier Jahre in der Großen Koalition mitregiert. Aber kaum jemand fragt, wie denn die Erneuerung der SPD aussehen sollte, was sich wie ändern müßte. Geht es um die Verjüngung der Basis und des Spitzenpersonals, geht es um die organisatorische Straffung der Parteiarbeit, um die Digitalisierung der innerparteilichen Willensbildung oder um ein bloßes Facelifting, um einen neuen, einen „moderneren“ Auftritt im Internet? Oder braucht die SPD wieder einmal ein neues Grundsatzprogramm, weil das geltende, das Hamburger Programm von 2007 nicht mehr auf der Höhe der heutigen Probleme ist? (weiterlesen)

Erklärung des SPD-Generalsekretärs Lars Klingbeil vom 9. Februar 2018:

„Martin Schulz hat sich in den vergangenen Monaten für die SPD aufgeopfert. Sein wichtigstes Ziel war immer, einen Aufbruch in der Europapolitik zu gestalten. Nun stellt er seine persönlichen Ambitionen zurück zum Wohle der Sozialdemokratie. Das verdient unseren Respekt. Wir werden in der SPD nun offen und ehrlich die Inhalte des Koalitionsvertrages diskutieren. Wir haben die Möglichkeit, das Leben der Menschen ganz konkret zu verbessern. Die SPD muss zeigen, dass sie das Vertrauen der Menschen verdient. Und das geht am besten durch gute Politik und konkrete Verbesserungen für die Menschen in unserem Land.“

Erklärung des SPD-Parteivorsitzenden Martin Schulz vom 9. Februar 2018

„Der von mir gemeinsam mit der SPD-Parteispitze ausverhandelte Koalitionsvertrag sticht dadurch hervor, dass er in sehr vielen Bereichen das Leben der Menschen verbessern kann. Ich habe immer betont, dass – sollten wir in eine Koalition eintreten – wir das nur tun, wenn unsere sozialdemokratischen Forderungen nach Verbesserungen bei Bildung, Pflege, Rente, Arbeit und Steuer Einzug in diesen Vertrag finden. Ich bin stolz sagen zu können, dass das der Fall ist. Insbesondere ist die Neuausrichtung der Europapolitik ein großer Erfolg. Umso mehr ist es für mich von höchster Bedeutung, dass die Mitglieder der SPD beim Mitgliedervotum für diesen Vertrag stimmen, weil sie von dessen Inhalten genauso überzeugt sind, wie ich es bin.
Durch die Diskussion um meine Person sehe ich ein erfolgreiches Votum allerdings gefährdet. Daher erkläre ich hiermit meinen Verzicht auf den Eintritt in die Bundesregierung und hoffe gleichzeitig inständig, dass damit die Personaldebatten innerhalb der SPD beendet sind. Wir alle machen Politik für die Menschen in diesem Land. Dazu gehört, dass meine persönlichen Ambitionen hinter den Interessen der Partei zurück stehen müssen.“

Interview von 3-Sat“Kulturzeit“ mit Klaus Staeck anlässlich der Ausstellung „Sand ins Getriebe“ im Museum Folkwang Essen zum Ergebnis der Koalitionsverhandlungen am 7. Februar 2018 (Beitrag nicht mehr in der Mediathek)